Hochzeit in Tracht

Hochzeit in Tracht: Im Gstanzl liegt Wahrheit

Hochzeit in Tracht
© Jeanette Dietl - Fotolia.com

Gstanzl muss der bayerische Bräutigam singen, wenn er seine Braut in ihrem Hochzeitsdirndl wieder haben will. Und die Wirtshausrechnung der Entführer muss er auch begleichen. Aber das mit der Rechnung ist ja in ganz Deutschland so.

Unter Gstanzl darf man sich eine Art bayerischen Rap vorstellen. Im 3/4-Takt wird aus dem Stehgreif in Reimform auf das Geschehen Bezug genommen. Darauf erst einmal einen Schnaps, um die Zunge zu lösen!

Vom Bauerngewand zum Hochzeitsdirndl

Hochzeit in Tracht

Aber bei der Hochzeit in Tracht steht eh das Hochzeitsdirndl im Mittelpunkt. Zumindest für die beteiligten „Weibaleit“, die Frauen. Wo es bei Tracht, also dem was man so „trägt“ früher eher schlicht und praktisch zuging – deshalb auch die Schürze, die man abnehmen und waschen konnte, ohne gleich ohne Kleid dazustehen – ist da seit Prinzregent Luitpolds Zeiten einiges an Schick hinzugekommen.

Das Mieder geht inzwischen bis zur Taille. Früher war Taille wegen des ständigen Babybauchs eher nicht angesagt. Der Ausschnitt ist heute reich bestickt und geschmückt. Drunter trägt frau einen speziellen Dirndl-BH, damit der Blick des Betrachters auch auf das Wesentliche gelenkt wird. Die Stoffe sind inzwischen farbenprächtiger, aufwändiger und weniger stalltauglich. Insgesamt ist aus der ehemaligen Bauernkleidung zuerst ein Sonn- und Festtagsgewand und dann ein echter Hingucker geworden.

Beim Hochzeitsdirndl geht der Trend zu weißen oder cremefarbenen Stoffen. Ganz so weiß wie bei der konventionellen Hochzeit ist das Kleid selten. Dazu gibt es viele Rüschen, Bänder und Verzierungen am Kleid, die geradezu nach anderen (zarten) Farbtönen rufen. Wichtig ist bei der Hochzeit in Tracht doch, dass auch hier die Braut die Schönste von allen ist und mit ihrem Hochzeitsdirndl aus der Masse der schönen Festtagsdirndl heraussticht.

Eine Zweitschürze fürs Hochzeitsdirndl

Apropos, bei der standesamtlichen Trauung kann die Braut natürlich auch auf ein farbenfroheres Festtagsdirndl zurückgreifen – oder sie tauscht einfach die Schürze. Mit so einer Zweit- oder Drittschürze hat das Hochzeitsdirndl auch später nochmal die Chance zu besonderen Anlässen den Schrank verlassen zu dürfen. Bei Froschgoscherl sind Hochzeitsdirndl maßgeschneidert und müssen perfekt sitzen, deshalb ist unbedingte Vorsicht geboten:

A Schwoibn macht koan Somma, a Jungfrau koa Kind,
dageg'n bei zwoa Valiabte passiert so was g'schwind. (Bayerisches Gstanzl)

 

PS: Und wenn es dann doch passiert ist, dann kaschiert nichts so gut den Babybauch wie ein Hochzeitsdirndl. Auch wenn der Saum an der Taille ein bisschen herausgelassen werden muss.

Autorin: Sibylle Sterzer

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