Bayerische Hochzeitsbräuche – Der Hochzeitslader

Hochzeitslader Hochzeit in Tracht

Als es noch kein Internet gab und auch die Post noch nicht flächendeckend und zuverlässig funktionierte, griffen Brautpaare in Bayern und Österreich auf einen Hochzeitslader zurück, um ihre Gäste einzuladen. Der ging dann mit einem geschmückten Rosenholzstock von Tür zu Tür und trug die Einladung in Versform vor. Zur Belohnung bekam er dann eine ordentliche Brotzeit mit Bier und Schnaps. Deshalb dauerte das Einladen damals auch oft mehrere Wochen.

Hauptberuflich war der Hochzeitslader (oder auch Schmuser (Kuppler), Ehrvater, Hochzeitsbitter) meist Viehhändler oder Schulmeister, kannte somit die Höfe und Verhältnisse der Heiratsfähigen und konnte eine weitere wichtige Aufgabe erfüllen: geeignete Paarungen überhaupt erstmal finden und das Einverständnis der Familien aushandeln. Den Rosenholzstock bekam er dann von der Braut. Er war und ist mit farbigen Bändern geschmückt, deren Farben für die Wünsche der Braut an die Ehe stehen: Liebe (rot), Hoffnung (grün), Jungfräulichkeit (weiß), Treue (blau).

Was den Hochzeitslader vom Weddingplanner unterscheidet

Im Gegensatz zum modernen Weddingplanner spielt der Hochzeitslader auch bei der Trauung und den Feierlichkeiten eine wichtige Rolle. Er ist der Moderator und seine Arbeit beginnt spätestens, wenn die Gäste da sind. Erst werden die Brautleute ausgesegnet. Sie bedanken sich bei den Eltern für ihre Kindheit und bekommen dafür von ihnen den Segen für die Hochzeit. Dann werden die Eltern gesegnet und anschließend stellt der Hochzeitslader den Hochzeitszug zur Kirche zusammen, was keine einfache Aufgabe ist, weil viele Menschen eine genaue Reihenfolge einzuhalten haben.

Bei der eigentlichen Feier ist der Hochzeitslader die wichtigste Person

Nach der Kirche, wenn das Brautpaar durchs Spalier der Gäste gelaufen ist und mit Reis beworfen wurde, wird wieder unter Aufsicht des Hochzeitsladers der Hochzeitszug zusammengestellt und es geht zur Feier ins Wirtshaus. Dort hat der Hochzeitslader dann keine ruhige Minute mehr. Er muss mit Wirt, Brautpaar und Band klären, wann der Ehrentanz stattfindet, koordiniert Reden und Einlagen der Gäste, zählt die Gäste für die Abrechnung mit dem Wirt und kassiert am Ende noch das Mahlgeld (deren Beitrag zur Hochzeit) von den Gästen.

Zwischendurch organisiert er federführend das Brautverzieh'n (die Entführung der Braut) und diverse Spielchen und trägt Trinksprüche, Witze und Gstanzl vor.

Dann werden noch die Geschenke überreicht, was der Hochzeitslader auch wieder durch ein Gedicht einleiten kann. Während die Gäste dann einzeln oder in Grüppchen ihre Geschenke überreichen, erzählt der Hochzeitslader beim so genannte Dableck'n lustige Dinge über sie.

Am Ende der Feier bringt der Hochzeitslader das Brautpaar dann oft noch nach Hause, wo schon die engsten Freunde warten und bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert wird!

Und dass so ein Hochzeitslader, zumindest früher, ein gutes G'spür für Hochzeiten hatte, kann man hier sehen: http://www.youtube.com/watch?v=LVeu4amnibY

Autorin: Sibylle Sterzer

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