Die Wiesn: ein Fest mit Traditionen und Superlativen

Oktoberfest München
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Die Wiesn ist heute mit rund 6 Millionen Besuchern (2013: 6,4 Mio. Besucher) das größte und sicher auch berühmteste Volksfest der Welt. Aus aller Herren Länder strömen die Gäste herbei und feiern, was das Zeug hält. Besonders gut vertreten sind unsere Nachbarn aus Italien, Österreich und Holland, aber auch aus den USA, Japan und Australien kommen jedes Jahr viele feierwütige Besucher. Zusammen trinken sie Jahr für Jahr rund 7 Millionen Liter Bier.

Bier und Feiern stehen bei der Wiesn auch eindeutig im Vordergrund. Um der „Ballermannisierung“ der Wiesn entgegenzutreten und weiterhin der ganzen Familie ein Volksfest zu bieten, wurde 2005 die „ruhige Wiesn“ eingeführt. Bis 18 Uhr gibt es seitdem in den Festzelten traditionelle bayerische Blasmusik, begrenzt auf familienverträgliche 85 Dezibel und erst danach wird Partymusik gespielt. Dabei ist der Trend zu Dirndl und Lederhosen ungebrochen. Die Einheimischen tragen sie sowieso und selbst die ausländischen Besucher rüsten sich mit Dirndl und Lederhosen aus für den Wiesnbesuch. 


Woher kommt die Wiesn überhaupt?

Das allererste Oktoberfest fand am 17. Oktober 1810 statt und sah noch ganz anders aus als heute. Es wurde zu Ehren des königlichen Brautpaares, Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen veranstaltet, die am 12. Oktober 1810 geheiratet hatten. Den Mittelpunkt des Festes bildete ein großes Pferderennen auf der damals noch am Stadtrand gelegenen Wiese, die gleich nach der Prinzessin „Theresienwiese“ genannt wurde. Das Fest war ein solcher Erfolg, dass sich alle darüber einig waren, dass es fortan jährlich stattfinden solle. Die Organisation übernahm der „Landwirtschaftliche Verein in Bayern“, der auch gleich eine Landwirtschaftsausstellung an das Pferderennen und das gesellige Beisammensein anschloss. Ab 1819 übernahmen die Münchner Stadtväter die Organisation der Wiesn, die inzwischen fest zum Veranstaltungskalender der Stadt München gehörte. Das Volksfest entwickelte sich rasant, immer mehr Karusselle und Buden kamen dazu.

Störfaktoren für die Wiesn: Kriege, Inflation und Cholera

Bereits 1813 fiel die Wiesn kriegsbedingt  zum ersten Mal aus. Die Bayern kämpften gerade auf Seiten Napoleons in Russland. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste die Wiesn wegen Choleraepidemien und weiterer Kriege ausfallen. Auch während des ersten und zweiten Weltkrieges, in den 1920er Jahren und in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg gab es keine Wiesn. Und nach dem zweiten Weltkrieg gab es auch kein Pferderennen mehr, außer beim 150-jährigen Jubiläum 1960 und beim 200-jährigen Jubiläum 2010.

Neue Attraktionen und Traditionen für die Wiesn

Oktoberfest München 2014
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1850 hatten die Bayern noch einen weiteren Grund zum Feiern. Die Statue der Bavaria, die fortan über die Wiesn und über ganz Bayern wachte, wurde enthüllt. 1881 eröffnete die erste Hendlbraterei und seitdem gibt es das traditionelle Wiesnhendl. Im späten 19. Jahrhundert kam dann auch endlich elektrisches Licht auf die Wiesn, außerdem immer mehr Schausteller und Fahrgeschäfte und – vielleicht am wichtigsten - die Bierzelte mit den Musikkapellen! 1950 rief Bürgermeister Thomas Wimmer erstmals das berühmte „O'zapft is“. Seitdem ist es immer der Münchner Bürgermeister, der die Wiesn mit dem Anstich des ersten Bierfasses eröffnet. Eine Nachricht, die es alljährlich in die Tagesschau schafft. 2010 fand anlässlich des 200-jährigen Jubiläums erstmals die „Oide Wiesn“ als Parallelveranstaltung statt. Ausschließlich auf der Oidn Wiesn bieten die großen Münchner Brauereien ein gemeinsames dunkles Spezialbier an. Dazu gibt es verschiedene historische Attraktionen, Fahrgeschäfte und auch das passende historische Essensangebot. Die Oide Wiesn kam gleich bei der Premiere so gut an, dass sie jetzt fest dazugehört. Alle vier Jahre muss sie aber der Zentralen Landwirtschaftsausstellung weichen, die auf der gleichen Fläche stattfindet.


Die Wiesn 2014

Los geht sie am 20. September um 11 Uhr mit dem feierlichen Einzug der Wiesnwirte. Erstmals seit 111 Jahren ist das Hippodromzelt nicht mehr dabei. Dafür gibt es ein neues Zelt, das Marstallzelt. Die Bierpreise knacken erstmals die 10 €-Marke und liegen dieses Jahr zwischen 9,70 € und 10,10 €. Und wer wissen will, was die diesjährigen Dirndl-Trends sind, der lese hier (Link zum Post mit den Dirndl-Trends).

Autorin: Sibylle Sterzer

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